Kaum ein politisches Thema wird mit so viel Emotionalität und moralischen Vorstellungen diskutiert wie die Causa Wolf. Das für die Jagd zuständige Regierungsmitglied Landeshauptfrau Stellvertreterin Marlene Svazek setzt daher weiterhin auf ein pragmatisches Management und einen sachlichen Diskurs gegenüber den Gegnern der Maßnahmenpolitik.
„Der Umgang mit der Thematik Wolf muss ein unaufgeregter, normaler und pragmatischer sein. Dafür braucht es mehr Verständnis, nicht nur im ländlichen Raum, wo die unmittelbare Betroffenheit ohnehin gegeben ist, sondern auch in urbanen Räumen und vor allem in den Reihen mancher politischer Agitationsgruppen“, unterstreicht Landeshauptfrau Stellvertreterin Marlene Svazek.
Der Wolf trifft im Bundesland Salzburg nicht auf menschenleere Einöde, sondern auf Landwirtschaft, Tourismus, Erholungsräume und über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaften. Diese Koexistenz bringt Konflikte mit sich, auf welche die Politik Antworten finden muss. Diese Tatsache sollte nach Jahren der Diskussion auch den größten Gegnern begreiflich sein.
Gesetze müssen draußen funktionieren
„Für mich ist entscheidend, dass Gesetze, Verordnungen und Maßnahmen nicht nur gut klingen, sondern draußen funktionieren. Politik muss sich an den Lebensrealitäten der Menschen orientieren und Lösungen schaffen, die in der Praxis funktionieren. Ein theoretisches Konzept nützt wenig, wenn es auf der Weide oder auf einer Alm praktisch nicht umsetzbar ist, wie wir es im Fall des Herdenschutzes oft sehen“, betont Svazek.
Genau an diesem Punkt setzt für Svazek auch die Kritik an widersprüchlichen politischen Argumentationslinien an. Herdenschutz wird immer wieder als zentrale Antwort auf die Wolfsproblematik ins Treffen geführt. Der damit vermittelte Eindruck, Wolfsrisse ließen sich mit ausreichend Schutzmaßnahmen verhindern und Salzburg müsse lediglich mehr in Zäune und Prävention investieren, hält einem Blick auf die tatsächlichen Zahlen jedoch nicht stand.
Denn Salzburg betreibt Herdenschutz längst in erheblichem Umfang. Seit 2018 wurden dafür rund 1,5 Millionen Euro aufgewendet. Damit liegt Salzburg im Bundesländervergleich weit über dem Durchschnitt. In vier österreichischen Bundesländern gibt es überhaupt keine Herdenschutzförderung. Gleichzeitig hat bereits knapp die Hälfte aller schaf- und ziegenhaltenden bäuerlichen Betriebe in Salzburg präventive Schutzmaßnahmen gesetzt.
Auch die jährlichen Ausgaben zeigen ein deutliches Bild. Im Jahr 2024 wurden rund 307.800 Euro für Präventionsmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe ausbezahlt, 2025 waren es bereits rund 357.100 Euro. Bis 27. Juli 2026 kamen weitere rund 168.100 Euro hinzu. Finanziert werden vor allem Zaunmaterial, Netze für Nachtpferche, elektrische Impulsgeber und weiteres technisches Zubehör. Zusätzlich unterstützt das Land GPS-Halsbandsender zur Überwachung von Schaf- und Ziegenherden. 2024 wurden 21 solcher Sender gefördert, 2025 waren es 22 und bis Mitte August 2026 weitere 30. Der Herdenschutz endet in Salzburg zudem nicht beim Förderantrag. Das Land stellt technische Informationen zur Verfügung, bietet Beratung an und bespricht bei Rissbegutachtungen mögliche Schutzmaßnahmen unmittelbar mit den Betroffenen. Der Wolfsbeauftragte des Landes nimmt darüber hinaus regelmäßig an Veranstaltungen des Salzburger Schaf- und Ziegenzuchtverbandes teil und steht dort für fachliche Fragen zur Verfügung.
„Der Vorhalt, Salzburg würde beim Wolf nur die Büchse verwenden und Herdenschutz überhaupt ablehnen, lässt sich mit Fakten und konkreten Zahlen rasch beenden. Wir investieren seit Jahren erheblich in Prävention, wir unterstützen unsere Tierhalter und wir beraten dort, wo Hilfe gebraucht wird. Aber auch der beste Herdenschutz ändert nichts daran, dass ein Wolf ein Raubtier ist und seiner Natur folgt. Genau deshalb muss ein verantwortungsvolles Wolfsmanagement nun einmal auch die Möglichkeit beinhalten, auch für den Wolf normale Schuss- und Schonzeiten einzuführen“, so Svazek.
Rissgeschehen bleibt trotzdem Realität
Trotz dieser Maßnahmen ist es mit Stand 30. August 2026 in Salzburg zu Nutztier- und Wildtierrissen gekommen. Die traurige Bilanz zeigt mit 12 Ziegen, 6 Schafen und 4 Kuhkälbern insgesamt 22 tote Nutztiere. Die vier Kuhkälber kamen infolge einer Hetzjagd durch einen Wolf zu Schaden, stürzten ab und verendeten beziehungsweise mussten notgeschlachtet werden. Hinzu kommen 3 verletzte und 4 vermisste Tiere. Dokumentiert ist darüber hinaus ein Rehbock, der durch einen Wolf zu Tode kam. In Summe wurden heuer fünf Wölfe in Salzburg nachgewiesen, wobei die Dunkelziffer höher liegen dürfte. Das Maßnahmengebiet mit der präventiven Entnahmemöglichkeit hat sich jedenfalls bewährt, da die Nutztierrisse 2026, im Vergleich zum Vorjahresniveau, zurückgegangen sind.
Fördern, Schützen, Handeln
Aus Sicht des Landes ist das bestehende System zur Förderung des Herdenschutzes ausreichend aufgestellt. Salzburg wird den eingeschlagenen Weg aus direktem und indirektem Herdenschutz fortsetzen. Zusätzliche finanzielle, personelle oder organisatorische Maßnahmen sind derzeit nicht erforderlich.
„Jäger als brutale Mörder zu verunglimpfen, mag das Kerngeschäft so mancher NGO sein, mit der Realität hat es aber nichts zu tun. Salzburg investiert seit Jahren in Herdenschutz, Beratung und Prävention. Salzburgs Jäger kümmern sich um die Artenvielfalt und darum, unseren Landwirten für die weitere Zukunft der Almwirtschaft zu helfen“, stellt Svazek klar.
Politische Märchenerzählungen helfen in der Wolfsdebatte nicht weiter. Gefragt ist eine sachliche und nüchterne Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gegebenheiten und den daraus notwendigen Konsequenzen.

